Ketasin 100 ad us. vet., Injektionslösung

Allgemeinanästhetikum für Tiere

 

Ketasin 100 

 

Zusammensetzung

1 ml Injektionslösung enthält:

Wirkstoff:       Ketaminum (ut Ketamini hydrochloridum) 100 mg

Hilfsstoffe:     Conserv.: Chlorocresolum 1 mg, Aqua ad iniect. q.s. ad solutionem.

 

Eigenschaften/Wirkungen

Ketamin ist ein dissoziatives Anästhetikum, es induziert einen Zustand der Katalepsie mit Amnesie und Analgesie. Der Muskeltonus sowie die pharyngealen und laryngealen Reflexe bleiben erhalten. Die Herzfrequenz, der Blutdruck und das Herzminutenvolumen sind erhöht. Durch Kombination mit anderen Substanzen können diese Eigenschaften modifiziert werden. Im Unterschied zu vielen anderen Narkotika hat Ketamin keine Wirkung auf das periphere vegetative Nervensystem und ist deshalb auf Atmung und Magen/Darmtätigkeit weitgehend indifferent. Ketamin hat eine ausserordentlich grosse therapeutische Breite. Ketamin kann mit allen Anästhetika, Neuroleptika, Tranquilizern und Inhalationsnarkotika kombiniert werden.

 

Pharmakokinetik

Ketamin wird rasch und komplett von der Injektionsstelle resorbiert und im Organismus verteilt. Die Plasmaproteinbindung beträgt ca. 50%. Die Distribution von Ketamin in die Gewebe ist variabel. Die höchste Konzentration wurde in der Leber und in den Nieren gemessen. Ketamin wird rasch und vollständig metabolisiert, der Metabolismus unterscheidet sich zwischen den Spezies. Die Exkretion erfolgt primär über die Nieren.

 

Indikationen

In Kombination mit einem Sedativum zur Immobilisation, Sedation und Narkose bei allen Tierarten, besonders bei allen Säugetieren. Dank schonender Wirkung auch zur Anästhesie von Risikopatienten geeignet.

 

Dosierung/Anwendung

Allgemeine Hinweise

Ketasin 100 kann intravenös (i.v.), intramuskulär (i.m.) und subkutan (s.c.) appliziert werden; bei erwachsenen Grosstieren vorzugsweise i.v.. Bei Echsen kann alternativ intraperitoneal (i.p.) injiziert werden.

Ketamin sollte mit einem Sedativum kombiniert werden.

Ketamin kann eine grosse inter-individuelle Variation bezüglich Wirksamkeit zeigen. Deshalb ist die Dosierung individuell für jedes Tier unter Berücksichtigung der Faktoren wie Alter, physischer Zustand sowie Tiefe und Dauer der benötigten Anästhesie vorzunehmen.

Vor der Anwendung von Ketamin ist sicherzustellen, dass die Tiere ausreichend sediert sind.

Dosierung dem einzelnen Patienten anpassen. Nachinjektion verlängert die Wirkung.

 

Hunde

Sedative Prämedikation mit Acepromazin oder Xylazin, nach Wirkungseintritt folgt die Gabe von Ketasin 100:

Atropin: 0,05 mg/kg KGW i.m., i.v., s.c.

Acepromazin: 0,1 mg/kg KGW i.m. zusammen mit Atropin

Xylazin: 0,1 ml/kg KGW (= 2 mg/kg) i.m. zusammen mit Atropin

Ketasin 100:

• Monoanästhesie 0,1-0,2 ml/kg KGW (= 10-20 mg/kg) i.m.

• Kombinationsanästhesie 0,02 ml/kg KGW (= 2 mg/kg) i.v. oder 0,05-0,1 ml/kg KGW (= 5-10 mg/kg) i.m.

Verlängerung/Vertiefung der Narkose: Nachinjektion von Ketasin 100 nach Wirkung

Hinweis: Ketasin 100 lässt sich auch zur Bekämpfung des Hechelns während der Einleitungsphase einer Inhalationsnarkose verwenden.

 

Katzen

Sedative Prämedikation mit Acepromazin oder Xylazin, nach Wirkungseintritt folgt die Gabe von Ketasin 100:

Atropin: 0,05 mg/kg KGW i.m., i.v., s.c.

Acepromazin: 0,1-0,15 mg/kg KGW i.m. zusammen mit Atropin

Xylazin: 0,1 ml/kg KGW (= 2 mg/kg) i.m., s.c. zusammen mit Atropin

Ketasin 100:

• Monoanästhesie 0,2 − 0,4 ml/kg KGW (= 20 − 40 mg/kg) i.m.

• Kombinationsanästhesie 0,1 − 0,2 ml/kg KGW (= 10 − 20 mg/kg) i.m.

Hinweis: Obschon eine Monoanästhesie möglich ist, lassen sich unerwünschte Nebenwirkungen durch Kombination mit Acepromazin oder Xylazin verhindern.

 

Pferde

Die Sedative Prämedikation ist wichtig zur sicheren Wirkung von Ketasin 100 und erfolgt mit Acepromazin oder Xylazin. Nach Wirkungseintritt folgt die Gabe von Ketasin 100:

Acepromazin: 0,1 mg/kg KGW i.v., i.m.

Xylazin: 2-3 ml/100 kg KGW (= 0,4-0,6 mg/kg) i.v. L-Polamivet: 2-3 ml/100 kg KGW i.v.

Ketasin 100: 2 ml/100 kg KGW (= 2 mg/kg) rasch i.v.

Nach der Injektion kommt es spontan und ohne weiter Hilfe zum Ablegen des Pferdes. Wenn eine separate Muskelrelaxation nötig ist, kann dem liegenden Pferd ein Muskelrelaxans appliziert werden, bis das Pferd erste Anzeichen einer Relaxation zeigt.

Verlängerung/Vertiefung der Narkose: Nachinjektion von Ketasin 100 in gleicher Dosis i.v.

 

Rinder/Kälber

Sedative Prämedikation mit Acepromazin oder Xylazin, nach Wirkungseintritt folgt die Gabe von Ketasin 100:

Acepromazin: 0,1-0,2 mg/kg KGW i.m., i.v.

Xylazin: 1 ml/100 kg KGW (= 0,2 mg/kg) i.m.

Ketasin 100:

• Rind: 2 ml/100 kg KGW (= 2 mg/kg) rasch i.v.

• Kalb: 10 ml/100 kg KGW (= 10 mg/kg) i.m.

Verlängerung/Vertiefung der Narkose: Nachinjektion von Ketasin 100 i.v.

Hinweis: Ketasin 100 bei erwachsenen Rindern mit Vorteil am liegenden Tier applizieren, um ein Niederstürzen zu verhindern. Auch geeignet zur Einleitung der Inhalationsnarkose.

 

Schafe/Ziegen

Sedative Prämedikation mit Acepromazin oder Xylazin, nach Wirkungseintritt folgt die Gabe von Ketasin 100:

Acepromazin: 0,05-0,1 mg/kg KGW i.m., i.v.

Xylazin: 0,1 ml/10 kg KGW (= 0,2 mg/kg) i.m.

Ketasin 100: 1-2 ml/10 kg KGW (= 10-20 mg/kg) i.m., i.v.

Verlängerung/Vertiefung der Narkose: Nachinjektion der halben Initialdosis i.v.

 

Schweine

Sedative Prämedikation mit Acepromazin, nach Wirkungseintritt folgt die Gabe von Ketasin 100:

Acepromazin: 0,05-0,1 mg/kg KGW i.m., i.v.

Ketasin 100: 0,5-1 ml/10 kg KGW (= 5-10 mg/kg) i.m., i.v.

 

Kleine Nager

Ketasin 100: 1-2 ml/kg KGW (= 100-200 mg/kg) i.m., s.c.

 

Kaninchen

Ketasin 100: 0,25-0,6 ml/kg KGW (= 25-60 mg/kg) i.m., s.c.

 

Echsen

Ketasin 100: 0,4-1,1 ml/kg KGW (= 40-110 mg/kg) i.m., i.p.

 

Vögel

Ketasin 100: 0,15-0,4 ml/kg KGW (= 15-40 mg/kg) i.m.

 

Wildtiere

Ketasin 100: 0,05-1 ml/kg KGW (= 5-100 mg/kg) je nach Art i.m.

Ketasin 100 ist zur Anästhesie von fast allen Wildtieren, Heimtieren und Vögeln geeignet. Zur Reduktion des Injektionsvolumens sowie zur Verhinderung ketaminbedingter Nebenwirkungen wird die Kombination Xylazin/Ketamin (Hellabrunner Mischung) empfohlen. Sie besteht aus 125 mg Xylazin (Trockensubstanz) gelöst in 1 ml 10%iger Ketaminlösung (Ketasin 100).

 

Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen

Nicht anwenden bei Tieren mit:

  • schwerer Hypertension,
  • Herz- und Atemwegserkrankungen,
  • Leber- oder Nierenfunktionsstörung,
  • Glaukom,
  • Eklampsie oder Präeklampsie,
  • bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile,
  • chirurgischen Eingriffen am Auge.

Ketamin darf bei keiner der Zieltierarten als einziges Anästhetikum angewendet werden.

 

Vorsichtsmassnahmen

  • Bei sehr schmerzhaften und grösseren chirurgischen Eingriffen sowie zur Aufrechterhaltung der Anästhesie ist eine Kombination mit injizierbaren oder inhalativen Anästhetika erforderlich. Da die für chirurgische Eingriffe notwendige Muskelrelaxation mit Ketamin alleine nicht erreicht werden kann, sind gleichzeitig weitere Muskelrelaxanzien zu verabreichen. Zur Verbesserung der Anästhesie oder Wirkungsverlängerung kann Ketamin mit α2-Rezeptor- Agonisten, Anästhetika, Neurolept-Analgetika, Beruhigungsmitteln und Inhalationsanästhetika kombiniert werden.
  • Bei einem geringen Anteil von Tieren lässt sich mit Ketamin in der empfohlenen Dosierung keine Anästhesie erzielen. In diesem Fall ist eine Prämedikation erforderlich und die Ketamindosis ist entsprechend zu reduzieren.
  • Bei Katzen und Hunden bleiben die Augen offen und die Pupillen sind erweitert. Die Augen können zum Schutz mit einer geeigneten Augensalbe behandelt werden.
  • Ketamin kann krampffördernde und krampflösende Eigenschaften zeigen und ist daher bei Tieren mit Krampfleiden mit Vorsicht anzuwenden.
  • Ketamin kann den intrakraniellen Druck erhöhen und ist deshalb für Patienten mit zerebrovaskulären Störungen möglicherweise ungeeignet.
  • Bei Anwendung in Kombination mit anderen Produkten sind die Gegenanzeigen und Warnhinweise der jeweiligen Gebrauchsinformationen zu beachten.
  • Der Augenlidreflex bleibt erhalten.
  • Möglicherweise treten Zuckungen sowie Erregung beim Aufwachen auf. Sowohl die Einleitung als auch die Erholungsphase sollten in einer möglichst ruhigen Umgebung stattfinden. Wenn notwendig, ist auf angemessene Analgesie und Prämedikation zu achten.
  • Vor einer Prämedikation oder der gleichzeitigen Anwendung anderer Anästhetika ist eine Nutzen-Risiko-Bewertung unter Berücksichtigung der Zusammensetzung der angewendeten Medikamente, deren Dosierung und der Art des Eingriffs durchzuführen. Die für Ketamin empfohlenen Dosen können je nach Prämedikation und den gleichzeitig angewendeten Anästhetika variieren.
  • Die Prämedikation mit einem Anticholinergikum wie Atropin oder Glycopyrrolat, um das Auftreten von Nebenwirkungen, insbesondere Hypersalivation, zu verhindern, kann nach einer Nutzen-Risiko-Bewertung durch den Tierarzt erfolgen.

Anwendung während der Trächtigkeit oder Laktation

Ketamin überwindet sehr leicht die Plazentarschranke und gelangt so in den fetalen Blutkreislauf, wo 75 bis 100% des Blutspiegels der Mutter erreicht werden können. Dadurch werden Neugeborene, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, teilweise anästhesiert.

Die Unbedenklichkeit des Tierarzneimittels während der Trächtigkeit und Laktation ist nicht belegt. Nur anwenden nach entsprechender Nutzen-Risiko-Bewertung durch den behandelnden Tierarzt.

 

Überdosierung

Im Falle einer Überdosierung können Herzrhythmusstörungen und Atemdepression bis hin zum Atemstillstand auftreten. Gegebenenfalls sind geeignete Massnahmen zur Aufrechterhaltung der Atem- und Kreislauffunktion so lange anzuwenden, bis eine ausreichende Stabilisierung stattgefunden hat.

Medikamente zur Anregung der Herztätigkeit sollten nur dann eingesetzt werden, wenn keine anderen unterstützenden Massnahmen zur Verfügung stehen.

 

Unerwünschte Wirkungen

Bei der Katze kann Salivation auftreten.

Ketamin bewirkt einen erhöhten Tonus der Skelettmuskulatur.

Ketamin bewirkt eine dosisabhängige Atemdepression, die insbesondere bei Katzen zu Atemstillstand führen kann. Bei Kombination mit atemdepressiv wirkenden Arzneimitteln kann dieser Effekt verstärkt werden.

Ketamin erhöht die Herzfrequenz und den arteriellen Blutdruck bei gleichzeitig erhöhter Blutungsneigung.

Bei Katzen und Hunden bleiben die Augen mit Mydriasis und Nystagmus geöffnet.

Während der Aufwachphase können Reaktionen wie Ataxie, Reizüberempfindlichkeit und Erregung auftreten.

Die intramuskuläre Injektion kann Schmerzen verursachen.

 

Absetzfristen

Milch 0 Tage

Essbares Gewebe 1 Tag

 

Wechselwirkungen

Neuroleptika, Beruhigungsmittel, Cimetidin und Chloramphenicol potenzieren eine Ketaminanästhesie. Barbiturate, Opiate und Diazepam können die Erholungsphase verlängern. Die Wirkungen können verstärkt werden. Darum ist möglicherweise eine Verringerung der Dosis eines oder beider Wirkstoffe erforderlich.

Bei Anwendung von Ketamin in Kombination mit Thiopental oder Halothan besteht die Möglichkeit eines erhöhten Risikos für Herzrhythmusstörungen. Halothan verlängert die Halbwertszeit von Ketamin.

Die gleichzeitige intravenöse Verabreichung eines Spasmolytikums kann einen Kollaps auslösen.

Theophylline können bei gleichzeitiger Gabe mit Ketamin eine Zunahme epileptischer Krisen hervorrufen.

Wenn Detomidin zusammen mit Ketamin angewendet wird, dauert die Erholungsphase länger als bei Anwendung von Ketamin alleine.

Chloramphenicol verlängert die Aufwachzeit. Pestizide und Insektizide können eine Abschwächung der Ketamin-Wirkung bedingen.

 

Sonstige Hinweise

Besondere Vorsichtsmassnahmen für den Anwender

  • Ketamin ist ein stark wirksames Arzneimittel. Eine versehentliche Selbstinjektion ist besonders sorgfältig zu vermeiden.
  • Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Ketamin oder einem der sonstigen Bestandteile sollten den Kontakt mit dem Tierarzneimittel vermeiden.
  • Kontakt mit der Haut und den Augen vermeiden. Eventuelle Spritzer sofort mit reichlich Wasser von der Haut und den Augen abwaschen.
  • Fetotoxische Wirkungen können nicht ausgeschlossen werden. Schwangere Frauen sollten den Umgang mit dem Produkt vermeiden.
  • Bei versehentlicher Selbstinjektion oder wenn nach Kontakt mit den Augen/dem Mund Symptome auftreten, ist unverzüglich ein Arzt zu Rate zu ziehen und die Packungsbeilage oder das Etikett vorzuzeigen. Nicht an das Steuer eines Fahrzeugs setzen.
  • Hinweis für Ärzte: Den Patienten nicht unbeaufsichtigt lassen. Atemwege frei halten und symptomatisch und unterstützend behandeln.

Inkompatibilitäten

Wegen chemischer Inkompatibilität dürfen Barbiturate oder Diazepam nicht mit Ketamin in derselben Spritze gemischt werden.

Das Produkt darf nicht mit anderen Tierarzneimitteln gemischt werden, mit Ausnahme der Infusionslösungen 0,9%ige Natriumchlorid-Lösung, Ringer-Lösung und Ringer-Laktat-Lösung.

 

Haltbarkeit

Bei Raumtemperatur (15-25°C) in der Originalpackung lagern, um den Inhalt vor Licht zu schützen. Flasche aufrecht lagern.

Das Präparat darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit 'EXP' bezeichneten Datum verwendet werden.

Aufbrauchfrist nach erster Entnahme: 28 Tage. Der Gummistopfen sollte nicht mehr als 20 Mal durchstochen werden.

Arzneimittel für Kinder unerreichbar aufbewahren.

 

SWISSMEDIC 65'787 (B)

ATCvet-Code: QN01AX03

 

Packungen

Durchstechflaschen zu 10, 25 und 50 ml.

 

Zulassungsinhaberin

Virbac (Switzerland) AG, Opfikon

 

Stand der Information

Juli 2015